Verweisen in der Hundearbeit bedeutet Anzeigen. So verweist der Schweißhund bei der Riemenarbeit beispielsweise Pirschzeichen und Wundbetten. Beim so genannten Totverweisen wird zwischen Totverbellen und dem Bringselverweisen unterschieden. Geprüft wird das Bringselverweisen bei uns in Deutschland als Zusatzfach zur Schweißarbeit im Rahmen der VGP auf 200 m Länge im Anschluss an die Schweißfährte.

Ursprung und Entwicklung

Das Bringselverweisen hat seinen Ursprung im Ersten Weltkrieg, wo speziell abgerichtete Hunde auf den Schlachtfeldern geschickt wurden, um Gegenstände von Verwundeten zu bringen und die Helfer sodann hinzuführen. Als Weiterentwicklung wird das Bringselverweisen noch heute im Rettungshundewesen, auch mit einem Bringsel an der Halsung, eingesetzt.

Voraussetzung für die Abrichtung zum Bringselverweiser ist ein sicher apportierender Hund, denn er wird dabei mit Apportbefehl geschickt, findet, kann das Stück Wild aber aufgrund der Größe nicht aufnehmen und apportiert das Bringsel als Ersatz. Einmal gut durchgearbeitet sitzt dies für alle Zeiten. Es macht Hund und Führer bereits bei der Ausbildung viel Spaß und ist für bestimmte Nachsuchensituationen das Mittel der Wahl.

Bringsel kann man übers Internet bestellen, es gibt sie klassisch aus Leder oder preiswert in vielen Größen beim Rettungshunde-Zubehör. Es wird an einer nicht zu engen elastischen Warnhalsung befestigt, aus der sich der Hund befreien kann, falls er mit dem Bringsel ernsthaft hängenbleibt. Die Länge muss der Größe des Hundes angepasst werden, damit er es gut aufnehmen kann, keinesfalls aber beim Suchen am Boden darüber stolpert.

Zum Bock! Foto: Andera Pieper

Die Ausbildung

Und nun zur Ausbildung in Kurzform: Nachdem der Hund an das Bringsel an der Halsung gewöhnt wurde, wird dieses zunächst aus zunehmenden Distanzen apportiert, schließlich auch von einer ausgelegten, gut befestigten Rehdecke. Immer korrekt mit Vorsitz, Ausgeben und viel Lob! Der nächste Schritt ist dann das Suchen und Apportieren des unter der Rehdecke verborgenen Bringsels. Klappt das nach vielen Wiederholungen gut, kommt der entscheidende Moment: Der Hund bekommt das Bringsel umgehängt und wird mit dem Kommando "Such voran - Apport!" geschickt. Bei der Beuteattrappe angekommen wird er das Bringsel suchen, es an seiner Halsung finden, aufnehmen und seinem Führer bringen. Viel Lob und Belohnung sind jetzt angesagt sowie einige Wiederholungen, bevor auch der zweite Teil der Übung angeschlossen wird. Dazu wird dem Hund die Bringselhalsung abgenommen und die Schweißhalsung mit Leine angelegt. Mit dem Kommando "Zum Bock!" wird der Hund seinen Führer zur Beute bringen. Um die Schwierigkeit im weiteren Verlauf der Ausbildung zu erhöhen, werden mit der Rehdecke Schleppen gezogen.

Um es gleich vorweg zu sagen: Verweisen ersetzt nicht die Riemenarbeit! Sollten die Umstände und die Pirschzeichen auf eine längere Nachsuche hindeuten, ist diese immer vorzuziehen. Grundsätzlich ist der frei suchende Hund in sehr unwegsamem Gelände, etwa Sumpf oder im dichten Bewuchs wie Raps- oder Maisschlägen im Vorteil. Man kann den geeigneten Hund bei aus dem Wundbett flüchtig abgehendem Stück mit dem Bringsel schnallen, damit er es stellen, niederziehen und abtun kann, um anschließend seinen Führer zum Stück zu führen. Zugegebenermaßen bedenklich kann diese Methode allerdings bei wehrhaftem Wild sein. Nachsuchen nach Wildunfällen, wo unter Umständen kein Schweiß vorkommt, sind auch ein Einsatzfeld für das Bringselverweisen, sofern die Verkehrsverhältnisse nicht zu einer Gefährdung des Hundes führen.

Gerne bin ich behilflich, falls jemand Unterstützung bei der Einarbeitung des Bringselverweisens wünscht. Kontakt über: andrea.pieper1@gmx.de