In vorgeschichtlicher Zeit war das Gamswild, wie fossile Funde beweisen,
über ganz Mitteleuropa verbreitet. Heute ist sein Vorkommen inselartig geworden und beschränkt sich auf die Gebirge.

Ursprünglich hielt man das Gamswild für eine wilde Ziegenart. Berichte über
sein Vorkommen gibt es schon aus frühgeschichtlicher Zeit. Der Römer Cato
der Ältere (gestorben 149 v. Chr.), ein Römer, schrieb von wilden Ziegen, die in den etrurischen Bergen – dem heutigen Apennin – vorkamen und auch bejagt wurden.

Seit einiger Zeit werden die im Walde angetroffenen Gams stark bejagd,
da sie im Wirtschaftswald und insbesondere im Schutzwald forstliche Maßnah-
men, wie die Einbringung von standortgemäßen Baumarten, gefährden können.

Dauernde menschliche Störungen und schroffe Witterungsumschläge können
das Gamswild veranlassen, den tiefer liegenden Wald für kürzere oder längere
Zeit als Einstand zu wählen. Seit etwa vierzig Jahren müssen wir im gesamten Alpenraum eine Zunahme der Waldgams feststellen. Eine Ursache ist wohl die Übernutzung der Alpen durch den Erholung suchenden Menschen, der das Gamswild aus den Einständen in der Kampfzone des Waldes und aus der Almregion in den tiefer liegenden Wald treibt, wo es Deckung und Äsung findet.

Solange sich der Bergwanderer an Wege und Steige hält, fühlt sich der Gams
nicht belästigt. Störenfriede sind der wild, abseits von Wegen durch die Berge wandernde Tourist und im Winter der Tiefschneefahrer, der das Wild aus den gewohnten Einständen verjagt. Die verursachten Störungen können für das
Gamswild tödliche Folgen haben. In neuerer Zeit kommen zu diesen Störungen
auch Drachenflieger und Paragleiter hinzu.

Den zahlenmäßig höchsten Bestand weist Österreich mit seinem großen
Alpenanteil auf, aber auch in den anderen Alpenländern kommt das Gamswild
vor: in Bayern, der Schweiz, in Frankreich, Liechtenstein und auf dem Balkan.

Außerhalb der Alpen finden wir Gams in Spanien in den Pyrenäen und in den
Cantabrischen Bergen, im Französischen Jura, in Griechenland im Pindusgebirge, in Italien im Apennin, in der Slowakei und in Polen in der Tatra, in Bulgarien im Rhodopengebirge, in Rumänien in den Transsylvanischen Alpen und in den Karpaten, in der Türkei im Pontischen Gebirge, im Taurus und Antitaurus.

Wiedereinbürgerungsversuche wurden im Schwarzwald, in den Vogesen
und im Schweizer Jura vorgenommen. Kleine Gamsvorkommen bestehen im
Altvatergebirge und im Elbsandsteingebirge. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts
wurde Gamswild nach Neuseeland gebracht. Es hat sich dort so stark vermehrt,
dass eine Bestandsreduktion zur Verhinderung größerer Erosionen notwendig
geworden ist.