Die Rede ist von Karpfen von 15 Pfund aufwärts. Doch wie fängt man einen solchen Burschen?

Es gibt sie überall!

Meine bisherigen Beobachtungen und Erfahrungen hinsichtlich großer Karpfen haben mich gelehrt, dass es sie eigentlich überall gibt: An großen Strömen wie Rhein, Main und Mosel, an Stauseen und an Baggerseen. Außer in schnell fließendem Wasser mit starker Strömung trifft man Spiegelkarpfen und Schuppenkarpfen fast überall. Doch wie fängt man sie? Die Antwort ist einfach und besteht aus einem englischen Wort: Boilies. Mit diesen etwa 20 Cent großen, hart gekochten Teigkugeln bekommt man die Großen, denn die stehen auf dicke, proteinhaltige Nahrung. Und wenn man nicht weiß, wo die Großen sind, dann holt man sie sich da hin, wo man sie hinhaben will, durch gezieltes Anfüttern.

Eine Hand voll Boilies täglich zur gleichen Tageszeit reicht, um dicke Karpfen langfristig an einen Futterplatz zu binden. Foto: Sebastian Schlott

Regelmäßiges Füttern

Ich erinnere mich an einen Karpfenansitz mit einem befreundeten Angler, der seit mehreren Jahren regelmäßig eine Stelle im Main angefüttert hatte. Er war Koch, musste morgens früh raus und fütterte so jeden Morgen gegen fünf Uhr seine Karpfenstelle an. Wir angelten die Nacht durch, versuchten ein wenig auf Zander, was nichts brachte, und legten zwei Ruten exakt auf den Futterplatz. Ich habe seine Worte, die er sagte, als er mich um zehn vor Fünf weckte, noch im Ohr: „Gleich kommt der Biss!“ Ich schaute etwas ungläubig, aber er behielt Recht. Um drei Minuten nach Fünf heulte der elektrische Bissanzeiger auf. Piiiiiiiiiieeeep. Wenig später lag ein 25-Pfünder auf den Schuppen.

Zeit und Ort

Karpfen haben ihre Futterruten, d.h. sie suchen häufig auf immer gleichen Wegen ihre Stellen ab und ziehen auf bekannten Strecken. Meistens tun sie das, wie das obige Beispiel zeigt, auch indem sie ziemlich genau ihre Zeitrhythmen einhalten. So hatten ich und meine Freunde vor einigen Jahren an einer Stelle in einem kleinen Stausee im Juni jeden Abend zwischen viertel vor Zehn und Zehn den Biss. So etwas ist nur möglich durch gezieltes Füttern.
Diese Erkenntnisse kann man sich zu Nutze machen, um dicke Karpfen gezielt anzulocken.

Dieser 15 Pfund schwere Spiegelkarpfen ließ sich gezielt an den Platz locken und nahm einen Boilie. Foto: Sebastian Schlott

Versuch macht klug

Wir haben eine viel versprechende Stelle in einem Rheinarm ausfindig gemacht und den Versuch gestartet, die Karpfen anzulocken. Zunächst haben wir sehr breiträumig angefüttert, übrigens nicht mit den teuren Boilies, sondern mit billigem Frolic, um möglichst viele Karpfen zu erreichen. Die Rüsselmäuler lieben diese Hundefutterringe. Die Fütterung fand mindestens jeden zweiten Tag zur selben Uhrzeit nach. Dabei warfen wir immer kleinere Futterkreise, so dass wir bald nur noch zwei genaue Futterstellen hatten, die nicht größer als 15 Quadratmeter waren. Zugegeben, der erste Versuch ging daneben. Aber beim zweiten Mal machte es piiiiiiiiiiiiiiiiieeeep.