Wenn das Jahr zu Ende geht und das Wetter die Entscheidung erleichtert, ob man heute noch ans Wasser will oder lieber doch nicht, ist für die meisten Angler die Zeit der Bilanz gekommen. Man erinnert die Erlebnisse des abgelaufenen Jahres und fasst Vorsätze für das kommende.

Manches Mal ist man am Wasser stehen geblieben und hat dem Fliegenfischer zugeschaut, der da im Fluss seine Leine durch die Luft sausen lässt. Das wollte man doch schon immer mal lernen, doch bisher ist man nie dazu gekommen.

Wenn das so ist, ist jetzt die richtige Zeit dafür, aus den Vorsätzen konkrete Planungen zu machen. Die Forellen haben Schonzeit und für die fliegenfischereilich interessanten Gewässer in Eifel und Bergischem Land gibt's jetzt keine Karten. Aber da ist ja auch nur das Fischen mit der Fliege erlaubt.

Wenn man mit der Fliege fischen könnte, wären also etliche landschaftliche Gewässerjuwelen anglerisch plötzlich zugänglich, die bislang verschlossen waren. Vielleicht sind Sie auch von der Leichtigkeit des Fliegenfischens bzw. der Ausrüstung angetan. Wer Sitzkiepen, Futtereimer, Rutenfutterale ans Wasser schleppen muss, weiß wovon ich schreibe.

Bergisches Land und Eifel bieten tolle Flüsse und Bäche, die häufig nur mit der Fliege beangelt werden können. Foto: Werner Berens

Aller Anfang ist schwer

Alle diese Wintergedanken helfen dabei, den altbekannten Vorsatz wieder zu beleben und zur konkreten Planung zu befördern. Woher ich das weiß? In meinen Fliegenfischergrundkursen erläutern die Teilnehmer gleich am Anfang, warum sie das Fliegenfischen erlernen wollen und was sie von dieser Angelart erwarten. Das ist sozusagen ihre Selbstversicherung und für mich ein wertvoller Hinweis zur Gestaltung des Kurses.

Fliegenfischen sei ein schwieriges Unterfangen, hört man häufiger. Doch ich versichere, Fliegenfischen ist keine Beschäftigung für Zauberkünstler, die jahrelanges Lernen voraussetzt. Andererseits ist diese Angelart auch keine Freizeitbeschäftigung, die man mal so eben ausprobieren kann. Ein wenig Engagement ist schon erforderlich, wenn man erfolgreich fischen möchte.

Viele Wege zum Erfolg

Wie kommt man nun dahin, wohin man immer schon mal wollte? Es gibt verschiedene Wege zum Erfolg. Die meisten Eleven besuchen einen der zweitägigen Grundkurse, die von verschiedenen Anbietern offeriert werden. Dort erlernt man in der Regel die Grundlagen des Wurfes, macht sich mit dem erforderlichen Gerät vertraut und erfährt das Wesentliche über die natürlichen Pendants seiner künstlichen Fliegen. Damit man das Erlernte erfolgreich anwenden kann, erörtert und übt man, wann man was und wie den verschiedenen Fischen präsentiert.

Natürlich muss man keinen Kurs besuchen. Das Theoretische kann man sich auch in einem langen Winter anlesen. Mit dem Werfen geht das allerdings nicht. Dazu braucht man geeignetes Gerät und eine Anleitung. Ich erinnere mich daran, wie ich vor vielen Jahren mit der Fliegenrute in der rechten Hand und dem Buch "Fliegenfischen für Anfänger" auf einer Wiese stand, wie ich die Wurfanleitung umzusetzen und die Kommentare der vorbei fahrenden Radfahrer zu ignorieren versuchte. Geklappt hat es trotzdem. Aus meinem Buch- und Wiesenwissen wurde die praktische Fähigkeit, die Äschen der Vorkormoranzeit in meinem Hausfluss zu fangen und auch die Forellen in den Bächen und Flüssen der Eifel und des Bergischen Landes.
Die dritte Möglichkeit, zum Fliegenfischer zu werden, ist der Freund oder Bekannte, dem man über die Schulter schauen kann, der bereitwillig Auskunft gibt und der sein Gerät und seine Hilfe beim Erlernen des Wurfes zur Verfügung stellt. Natürlich kann man auch alle Methoden miteinander kombinieren, dem Lernwilligen sind da keine Grenzen gesetzt.

Ich verspreche, es lohnt sich. Seit ich mit der Fliege fische, habe ich traumhafte Gewässer in Norwegen, Deutschland, Österreich, Slowenien und Übersee befischen dürfen, die nur Fliegenfischern zugänglich sind.

Wer viel übt und sich gut beraten lässt, kann schon bald seine erste Forelle mit der Fliege fangen. Foto: Werner Berens

Nicht nur Forellen und Äschen

Übrigens: Fliegenfischen kann man nicht nur auf Lachse, Forellen und Äschen. Zwar sind das die begehrtesten Zielfische, doch auch Döbel, Barben, Rotfedern, Barsche, Zander und Hechte fallen auf die Imitationen von Insekten oder Kleinfischen (Streamer) herein. So wird auch das Gewässer vor der Haustür interessant, das man im Sommer in den letzten beiden Abendstunden besuchen kann, und zwar nur mit einer Fliegenrute, ein wenig Werkzeug in der Weste und einigen Fliegen ausgerüstet.

Noch ein Wort zum Gerät: Wer auf eigene Faust mit eigenem Gerät beginnen möchte, tut sich selbst einen großen Gefallen, wenn er sich von einem sachkundigen Fliegenfischer beraten lässt, denn wenn man mit dem Frühlingssonderangebot eines Lebensmittelhändlers den Anfang macht, kauft man in der Regel zweimal, wenn man nicht schon vorher die Lust verloren hat, weil kaum etwas so funktioniert, wie es soll.

Und nun wünsche ich allen Noch-nicht-Fliegenfischern, dass die ersten beiden Wörter dieser Wortzusammensetzung im Laufe des Winters und kommenden Frühjahrs verschwinden mögen.