An einem meiner Hausgewässer treffe ich gelegentlich auf Kollegen der "Sitzanglerfraktion", die das Gespräch suchen. Immer - wirklich immer - landen wir beim Thema Ausrüstung: Ich schleppe kein sperriges Geraffel an fangträchtige Fluss- und Seeufer, sondern habe eine Fliegenrute in der Hand, eine Weste über dem Shirt, ein paar Watstiefel an den Füßen - das was die meisten meiner Gesprächspartner auch wollen. Was braucht man nun als Fliegenfischer? Am Anfang wenig, später wird es mehr. Wir alle kennen schließlich das seltsame Vermehrungsverhalten von Angelgerät.

Fliegenfischer benötigen eine funktionelle, bequeme und leichte Bekleidung. Foto: W. Berens

Bekleidung

In den ersten Jahren meiner Fliegenfischerei kam ich mit einer Weste, einem Hut und alten Turnschuhen aus, denn im Sommer ging ich mit kurzer Hose und besagten Turnschuhen in den Fluss. Weil das Wasser im Herbst kalt wird, kamen später ein paar Watstiefel hinzu und noch später für die größeren Tiefen eine Wathose mit Watschuhen. Die erste Hose war aus Neopren. Leider hat man mit dieser Wathose im Sommer nach längeren Fußwegen am Ufer, wenn man ins Wasser geht, genau so viel Feuchtigkeit in der Hose wie drumherum.

Deshalb greift der moderne Angler zu atmungsaktivem Material. Auch im Winter kann man mit entsprechender Unterkleidung hervorragend damit fischen. Eine Kopfbedeckung ist auf jeden Fall empfehlenswert - nicht nur, weil sie feuerrote Skalps bei haararmen älteren Herrn verhindert, sondern weil sie den Aufprall der beschwerten Nymphe auf die Schädelkalotte mildert. Durch plötzlichen Seitenwind irregeleitet Fliegen haben besonders bei Anfängern genau diese Tendenz .

Die Weste soll viele Taschen haben, dennoch gehört nur das hinein, was man braucht: Papiere, Fliegendose, Vorfachspulen, Schnurclip, Löseschere, Messer, Maßband. Den Watkescher kann man an den Gürtel oder die Weste hängen.

Fliegenrute

Mit einer 4-teiligen 5er-Rute und einer passenden Rolle kommt man an unseren Gewässern gut klar. Foto: W. Berens

Kommen wir nun zum wichtigsten Gerät: der Fliegenrute. Es gibt sie in verschiedenen Längen, "Gewichts"-Klassen, Teilungen und selbstverständlich Preisklassen. Für unsere Verhältnisse - an den Gewässern der Region - beginnt man am besten mit einer vierteiligen 8 - 8'6 Fuß langen Rute der Klasse 5 oder 5/6. Vierteilig soll sie sein wegen der Transport-vereinfachung, 8 oder 8'6 Fuß lang, weil man mit dieser Länge sowohl am größeren Fluss als auch am überwachsenen Eifelbach noch zurechtkommt.

Die Klasse 5 bedeutet, dass diese Rute eine Leine der Klasse 5 optimal wirft. Die Leinenklassen (AFTMA) sind nichts anderes als Wurfgewichtsbezeichnungen, denn wir haben ja kein Blei und keinen Blinker am Vorfach, sondern die Leine ist das Wurfgewicht. Und schwimmen soll die Leine, denn die sinkende Leine ist für Spezialfälle.

Ein Watkescher ermöglicht das sichere und waidgerechte Landen der Beute. Foto: W. Berens

Rolle
Jetzt noch die richtige Rolle: Ob sie aus Aluminium oder aus Kunststoff ist, spielt am Anfang keine so große Rolle. Doch einen großen Kern, Large-Arbor genannt, sollte sie haben. Da Fliegenrollen keine Übersetzung haben, dreht man sich sonst leicht einen Wolf beim Einholen der Leine. Auf eine Bremse kann der geschickte Fliegenfischer bei der 5er Ausrüstung verzichten. Will er allerdings Lachse oder Hechte fangen, ist diese Ausrüstung unterdimensioniert und er sollte sich zusätzlich eine 8er Rute, Rolle, Leine zulegen.

Natürlich, fast hätte ich es vergessen: Besorgen Sie sich auf dem Versand- oder Direktkaufwege ein Fliegensortiment aus Streamern, Nassfliegen, Nymphen und Trockenfliegen. Und nun wünsche ich viel Spaß beim Blättern in den einschlägigen Katalogen bzw. den Internetshops der Ausrüster und wiederhole dabei gleichzeitig meinen Hinweis aus dem vorigen Beitrag: Frühlings-super-sonder-Komplettangebote von fachfremden Händlern können die gerade aufkommende Freude am Fliegenfischen gründlich verleiden.