In der Regel gehört das Fachgebiet Wildtierkunde für die meisten angehenden Jäger zwar zu den interessantesten Ausbildungsthemen. Viele Jagd-Azubis verzweifeln aber auch daran, wie sie das ganze Faktenwissen behalten sollen. Zahnformeln, Geweihtypen, Tragzeiten, Paarungszeiten, Waidmannssprache usw. Hier schafft schon allein ein Spaziergang entlang der Zäune eines Wildgeheges Entspannung. Zusätzlich bietet die Beobachtung des Wildes trotz der besonderen Haltungsbedingungen im Gatter meist einen viel tieferen Einblick in dessen Eigenarten, Wesenszüge und Sozialverhalten als jedes noch so ausführliche Buch.

Wer es sich während der Jagdausbildung, die ja in der Regel vom Herbst bis zum Mai dauert, zur Pflicht macht, alle 2 Monate ein solches Gehege aufzusuchen, der kann sehr gut einige der wichtigsten Entwicklungsphasen im Jahreszyklus mitverfolgen und lernt das Wild auch unter unterschiedlichen Lebensbedingungen kennen.

Rot- und Damwild


Mittagspause während der Brunft: Rotwild im Wildgehege Waldau. Foto: Sebastian Schlott
Am besten beginnt man Ende September / Anfang Oktober. Mit ein wenig Glück kann man die Brunft des Rotwildes und etwas später des Damwildes miterleben. Jedes Rotwild- oder Damwildgehege bietet zusätzlich in der Regel Hirsche verschiedener Altersklassen, so dass auch hier Anschauungsmaterial gegeben ist. Auch die Dreierstaffelung, Alttier-Schmaltier-Kalb lässt sich oft gut erkennen. Auch im Gatter wird es in der Regel ein Leittier geben. Spannend herauszubekommen, welches es ist. Genau so spannend ist es, die Bindung der Kälber an ihre Mütter zu beobachten. Wer schreiende Hirsche und Brunftbetrieb mitbekommen möchte, versucht es am besten morgens oder abends.

Im Herbst entfalten die Hirsche ihre volle Pracht, in den Gattern ist wie in der Natur viel Bewegung. Ganz anders ist das im Winter. Jeder Laie kann feststellen, dass das Wild selbst im Gehege ruhiger wird und ausharrt. Es lohnt auch ein Besuch im März oder April, wenn die Hirsche ihre Geweihe abgeworfen haben. Rehwild findet sich in der Regel nicht in Gattern, da es dort nur schwer zu halten ist.

Schwarzwild


Eine gemischte Sauenrotte im Wildgehege Waldau. Da lässt sich viel über Gschlecht, Altersklassen und Sozialverhalten lernen. Foto: Sebastian Schlott
Kein angehender Jungjäger wird um genaue Kenntnisse der Wildschweine herumkommen. Sie haben sich aufgrund ihrer starken Verbreitung mittlerweile in der ganzen Region neben Reh und Fuchs zur Hauptwildart gemausert. Deshalb ist es wirklich wichtig, die Lebensweise der Sauen zu studieren. In Gattern ist dies natürlich schon allein wegen des eingeschränkten Platzes, der meist dürftigen Biotope und der verfälschten Ernährungslage nur eingeschränkt möglich.

Viele Verhaltensweisen lassen sich jedoch trotzdem sehr gut erkennen. Vor allem natürlich während der Rauschzeit im November und Dezember und im März, wenn die Frischlinge in der Regel gefrischt werden. Mindestens zu diesen beiden Terminen sollte man mal Sauen schauen gehen. Aber auch um das Quieken, Blasen und Grunzen zu hören, das Schubbeln am Malbaum, das Brechen, das Suhlen und das Sichern zu sehen, lohnt ein Besuch. Sauen haben eine intensive Sozialstruktur. Wie verhält sich der Keiler in der Rotte? Wer vertreibt wen von der Äsung? Wie fechten die Frischlinge ihre Rangordnung aus? Wie verstehen sich die Bachen? Alles Fragen, auf die der Besuch im Wildgehege eine Antwort geben kann.

Da es in den Schwarzwildgehegen häufig sehr matschig ist, lassen sich auch direkt hinter den Zäunen eine Menge verschieden großer Trittsiegel entdecken und entschlüsseln.


Wildparks und Wildgehege


Ein schwarzes Stück Damwild genießt die Septembersonne im Wildgehege Waldau. Foto: Sebastian Schlott
In unserer Region gibt es einige Wildgehege, deren Begehung kostenlos ist und die meistens alle mindestens Schwarzwild und Rotwild, öfter aber auch mehrere Wildarten zu bieten haben. So finden sich in der Waldau im Kottenforst Sauen, Rotwild und Damwild. Im Gehege Königsforst lassen sich nur Sauen und Rotwild beobachten.
Besonders empfehlenswert ist die Anlage in Köln Dünnwald. Hier findet sich zwar kein Rotwild, dafür aber neben Schwarzwild auch Damwild und einige Wisente und Muffelwild.


Ein Damhirsch im Wildgehege Köln-Dünnwald. Foto: Sebastian Schlott
Wildgehege, die Eintritt kosten, haben in der Regel auch mehr zu bieten. Der Tierpark Rolandeck (http://www.wildpark-rolandseck.de) beherbergt z. B. Schwarz-, Dam-, Rot-, und Muffelwild. Im Gelände finden sich aber auch Hochlandrinder, Ponnys und Ziegen sowie ein großer Spielplatz. Eine gute Gelegenheit, um mit der ganzen Familie einen Ausflug zu machen und nebenbei etwas für den Jagdschein zu lernen.

Eine ähnliche Ausstattung weist der Wildpark Schmidt in Nideggen auf (http://www.wildpark-schmidt.de). Hier lassen sich neben Haustieren Rot-, Dam-, Muffel- und Schwarzwild beobachten.


Tipp für haptische Lerntypen: An dieser Lehrtafel im Wildgehege Waldau kann man Felle verschiedener Wildarten anfassen. Foto: Sebastian Schlott
Legendär ist das Gelände in Hellenthal (http://www.wildgehege-hellenthal.de). Auch wenn die Anreise etwas länger dauert, ist dieser Wildpark uneingeschränkt für alle Jagd-Azubis zu empfehlen. Er bietet neben den gängigen Wildarten z.B. den Alpensteinbock, den Marderhund, das Sikawild, den Dachs, das Murmeltier, die Ringeltaube, den Feldhasen, den Rotfuchs und viele, viele Wildarten mehr. Besonders vorteilhaft ist die umfangreiche Sammlung an Greifvögeln, deren Künste in Vorführungen präsentiert werden.

Empfehlenswert ist auch der Hochwildpark Rheinland in Mechernich-Kommern/Süd (http://www.hochwildpark-rheinland.de), der neben den gängigen Schalenwildarten Elchwild, Rehwild, Steinwild und verschiedene Wasservögel zu bieten hat.

Ein Blick durch das dicke Holzgatter des Wisentgeheges im Wildpark Köln Dünnwald. Foto: Sebastian Schlott