Bei einigen erwachsenen Wiederkäuern verursacht die Tierseuche milde fiebrige Erkrankungen. Sind jedoch tragende Tiere befallen, bringen diese tote oder schwer entstellte Jungen auf die Welt. Schon im Herbst vergangenen Jahres stellten Landwirte die ersten Symptome - wie Milchrückgang, Fieber oder Durchfall - bei trächtigen Rindern, Schafen und Ziegen fest. Enweder gebaren die Muttertiere ihre Jungen tot oder mit Deformationen des zentralen Nervensystems, der Schulterpartie, oder der Hinterbeine.

Durch die Proben von drei Rindern eines Bauernhofes bei Schmallenberg im Sauerland entdeckten Forscher des Friedrich-Loeffler-Instituts (Bundesforschungsinstitut für Tiergesundheit) dann den bis dahin unbekannten Erreger: Es handelt sich um das sogenannte Orthobunya-Virus, das verwandt ist mit Viren der Simbu-Serogruppe, zu der auch die Akabane-Viren aus Südostasien und Afrika gehören.

Das Virus wird hauptsächlich durch blutsaugende Insekten, wie Stechmücken oder Gnitzen, übertragen; für den Menschen ist es bislang ungefährlich. Insbesondere Schafe bringen zurzeit vermehrt entstellte oder tote Lämmer zur Welt. Doch Experten vermuten demnächst auch eine ansteigende Zahl an Totgeburten oder Missbildungen bei Kälbern, da Rinder eine längere Tragezeit als Schafe haben und erst ab März werfen.

Die Schwerpunkte der Infektionen liegen in Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen. Allerdings beschränkt sich die Krankheit nicht nur auf Deutschland, sondern ist auch in den Benelux-Ländern, Frankreich, Italien und Großbritannien aufgetreten. Fälle oder Verdachtsfälle des Schmallenberg-Virus sind dem Veterinäramt oder Tierarzt daher zu melden. Auch Jäger sollten während der Brut- und Setzzeiten auf missgebildete oder tote Kitze, Kälber und Lämmer achten und diese den zuständigen Landesuntersuchungsämtern melden oder bringen.

Ein geeigneter Impfstoff gegen das Schmallenberg-Virus wird zurzeit zwar geplant und entwickelt; die Produktion könnte sich jedoch noch bis zum Jahr 2013 hinziehen. Zwar ist das Virus bisher noch nicht bei Wildtieren nachgewiesen, Experten befürchten aber, dass es sich durch steigende Temperaturen und vermehrtes Insektenaufkommen im Frühling und Sommer ausbreiten und womöglich auch noch Wildtiere befallen könnte.