Sie lassen nach dem Parkplatz das Restaurant „Waldau“ sowie das Waldinformationszentrum „Haus der Natur“ rechts liegen und starten am Tor des „Weges der Artenvielfalt“: Am Wegesrand begegnen Ihnen immer wieder Attraktionen mit dem Hasen Felix. Ideal für Kinder, denn auf dem Abenteuerspaziergang gibt es Spannendes zu lernen und entdecken. Allerdings dürfte die Wanderung mit den Kleinen deutlich länger als anderthalb Stunden dauern. Und wer es lieber menschenleer mag, sollte unter der Woche in die Waldau kommen.

Etwa hundert Meter spazieren Sie durch Laub- und Nadelwald und auf der rechten Seite finden Sie einen Laubtunnel: Durch sechs Meter Laubschichten können Sie gehen und erfahren, wie es im Waldboden aussieht. Weiter geht es bis zu einer Abzweigung zu einem Feuchtbiotop. Dort steht eine Aussichtsplattform, von wo aus man einen wunderbaren Überblick über das Annaberger Feld erhält. Die 110 Hektar große Fläche wurde 1860 angelegt. Neben landwirtschaftlicher Nutzung und Pferdehaltung sind die Wiesenflächen wertvoller Lebensraum für Tiere, insbesondere für Bussarde und Fischreiher. Außerdem können Sie hier den Geräuschen des Waldes lauschen. Und wenn Sie ganz still sind, hören Sie vielleicht auch das Klopfen eines Spechts oder das Röhren eines Hirsches.

Möchten Sie lieber eine kürzere Strecke zurücklegen - also insgesamt 2,3 Kilometer, folgen Sie links bei einer Drehung um 45 Grad den Weg des Hasen Felix. Bevorzugen Sie allerdings eine vier Kilometer lange Strecke, drehen Sie sich bitte um 90 Grad und gehen links weiter. Hier kommen Sie später erneut auf den "Weg der Artenvielfalt"; die nachfolgende Beschreibung betrifft diese längere Strecke.


Bis zu 250 Jahre alte knochige Kopfbuchen bilden den Gespensterwald. Foto: fotomorgana
An einem kleinen Bach entlang, der oft ausgetrocknet ist, gehen Sie immer geradeaus. Ein Findling weist an einer Abzweigung den Weg in Richtung Waldau. Zeit, sich Gedanken über die Geschichte des Waldes zu machen: Die jetzige Erscheinungsform des Kottenforstes wurde von Kurfürst Clemens August (1700 - 1761, Kurfürst von Köln von 1723 bis 1761) entscheidend geprägt. Clemens August war ein großer Jagdliebhaber, der insbesondere die heute verbotene Parforce-Jagd frönte. Damit Reiter, Fußvolk und Hunde mit Höchstgeschwindigkeit dem Wild nachpreschen konnten, errichtete er in der Waldau ein systematisches Wegenetz.

Nun kommen Sie zum Höhepunkt des Spaziergangs: Sie gehen vorbei am Wildgehege, treffen auf Damwild und danach auf Rothirsche mit 24-endigen Geweihen. Zwischen diesen beiden Gehegen steht eine Beobachtungskanzel mit Fernrohr, von wo aus Sie die Tiere gut beobachten können. Und wenn Sie ein bisschen Glück haben, halten sich die Rehe und Hirsche auch direkt vor ihnen am Zaun auf.

Am Ende des Rothirschgeheges steht ein Holzdidaktikum, das über 18 Baum- und Holzarten informiert. Folgt man der Strecke weiter, riecht es auf einmal streng, denn Sie kommen zum benachbarten Wildschweingehege. Den Wildschweinen und ihren Frischlingen beim Schlammbad zuzugucken macht den Maggi-Geruch aber schnell wieder wett.

Wenn Sie noch Zeit und Lust auf einen kleinen Umweg haben, wandern Sie auf die Dottendorfer Allee und dann nach rechts. Auf mittlerer Höhe des Wildschweingeheges gehen Sie nach links, bis Sie sich in einem verwunschenen Gespensterwald befinden. Hier stehen riesige knorrige Kopfbuchen, die bis zu 250 Jahre alt sind. Dass diese Buchen so aussehen, liegt aber nicht an Gespenstern: Damals trieb man Schweine in den Wald, um sie mit dem dortigen Nahrungsangebot zu mästen. Doch die Förster konnten keinen Baum mehr normal fällen, da die Schweine selbst die Baumschösslingen fraßen und die Bäume nicht mehr nachwachsen konnten. Daher schnitten Sie die Bäume in etwa zwei Meter Höhe ab und aus diesem Stumpf trieb der Baum neu aus. Heutzutage nennt man die bizarr aussehenden Buchen daher auch "Gespensterbuchen".

Schließlich biegen Sie hinter dem Wildschweingehegen links ab und kommen vorbei am Barfusspfad. Auf 90 Metern können Sie verschiedene Bodenformen mit den Füßen ertasten und sich erholen. Um zum Ausgangspunkt der Wanderung zu gelangen, gehen Sie vorbei am großen Kinderspielplatz. Während sich die Kinder hier austoben können, können Sie in der Ausflugsgaststätte „Waldau“ mit seiner großen Sonnenterrasse Kaffee und Kuchen oder auch warme Mahlzeiten genießen.