Oben auf der Bergesspitze
Liegt das Schloß in Nacht gehüllt;
Doch im Tale leuchten Blitze,
Helle Schwerter klirren wild.

Das sind Brüder, die dort fechten
Grimmen Zweikampf, wutentbrannt.
Sprich, warum die Brüder rechten
Mit dem Schwerte in der Hand?

Gräfin Lauras Augenfunken
Zündeten den Brüderstreit.
Beide glühen liebestrunken
Für die adlig holde Maid.

Welchem aber von den beiden
Wendet sich ihr Herze zu?
Kein Ergrübeln kanns entscheiden -
Schwert heraus, entscheide du!

Und sie fechten kühn verwegen,
Hieb auf Hiebe niederkrachts.
Hütet euch, ihr wilden Degen,
Böses Blendwerk schleicht des Nachts.

Wehe! Wehe! blutge Brüder!
Wehe! Wehe! blutges Tal!
Beide Kämpfer stürzen nieder,
Einer in des andern Stahl. -

Viel Jahrhunderte verwehen,
Viel Geschlechter deckt das Grab;
Traurig von des Berges Höhen
Schaut das öde Schloß herab.

Aber nachts, im Talesgrunde,
Wandelts heimlich, wunderbar;
Wenn da kommt die zwölfte Stunde,
Kämpfet dort das Brüderpaar.

Zwei Brüder - Heinrich Heine


Burg Sterrenberg zählt zu den ältesten erhaltenen Burgen am Mittelrhein; die 1034 erstmals erwähnte Burg gehört wie ihre Nachbarburg Liebenstein zum UNESCO Welterbe Oberes Mittelrheintal. Um zu den "feindlichen Brüdern" zu kommen, beginnen Sie die Wanderung am Bahnhof in Kestert. Von dort aus folgen Sie während der gesamten Strecke dem Rheinsteg-Symbol in das ansteigende Tal.

Hinter dichtem Mischwald und einer Streuobstwiese kommen Sie zum ersten Höhepunkt der Route, dem Ausblick an der Hindenburghöhe. Weiter geht es ins Dorf Lykershausen, das Sie durchqueren und danach abwärts in den Wald wandern. Wenn Sie etwas Glück haben, begegnen Ihnen im Wald eines der Weidetiere – aber keine Angst: die Tiere befinden sich natürlich hinter einem Wildgatter. Unweit der Burg Liebenstein verlassen Sie den Wald.

Zweihundert Meter neben dem Rheinsteg, der hier identisch ist mit dem Rheinburgen-Wanderweg, liegen die "feindlichen Brüder". Sowohl Burg Liebenstein als auch Burg Sterrenberg laden zur Einkehr ein und bieten vom Burggarten und der Terrasse aus einen herrlichen Blick auf das Rheintal. Und wer sich an der Schönheit der sich umgebenden Landschaft nicht satt sehen kann, kann sogar in einer der Burgen in einem Hotelzimmer übernachten.

Doch warum heißen die Burgen "Die feindlichen Brüder"? Der Sage nach wuchsen die Geschwister Heinrich und Konrad, die unähnlichen Söhne von Heinrich Beyer von Boppard, gemeinsam mit ihrer Stiefschwester, dem Waisenkind Hildegard, in der Burg Boppard auf. Während der jüngere Bruder Konrad offen und lebenslustig war, war der ältere Bruder Heinrich verschlossen und ernst. Ihre Stiefschwester Hildegard war äußerst hübsch, und so dauerte es nicht lange, dass beide Brüder ihr Herz an sie verloren. Die zwei umwarben die schöne Hildegard; diese entschied sich schließlich für Konrad und sie verlobten sich.

Ihr Vater, Heinrich Beyer von Boppard, gab dem Paar seinen Segen und baute für die beiden sowie für Heinrich zwei Burgen auf der anderen Rheinseite. Doch Heinrich zog voller Liebeskummer daraufhin als Kreuzritter in den Krieg. Und schon bald erreichte die Nachricht seiner ritterlichen Heldentaten auch seinen Bruder Konrad. Dass sein älterer Bruder im ganzen Land als Held gefeiert wird, ärgerte Konrad sehr. Er wollte nicht mehr untätig zu Hause sitzen, verschob seine Hochzeit und zog ebenfalls als Kreuzritter in den Krieg.

Einige Jahre später kehrte Heinrich eher aus dem Kampf zurück und erzählte der wartenden Hildegard, er habe seinen Bruder Konrad in Griechenland gesehen. Da der Vater der Geschwister zwischenzeitlich gestorben war, übernahm Heinrich das Erbe und lebte mit Hildegard zusammen auf Burg Liebenstein. Zwar liebte er sie noch immer, näherte sich ihr aber nicht, da Hildegard ja seinem Bruder versprochen war.

Ein paar Monate später kehrte endlich auch Konrad zurück, zum Entsetzen seiner Verlobten jedoch mit einer wunderschönen griechischen Frau. Hildegard kränkte dies zutiefst, sie wurde traurig und verbittert ernst. Heinrich ließ daraufhin vor lauter Wut eine Mauer zwischen den Burgen erbauen und forderte seinen Bruder Konrad zum Duell auf. Doch Hildegard trat zwischen die beiden Brüder und bat sie, ihren Streit beizulegen. Um nicht mehr zwischen ihnen zu stehen, trat Hildegard dem Kloster Marienberg in Boppard bei. Heinrich lebte allein in der Burg Liebenstein und Konrad zog mit der schönen Griechin in die benachbarte Burg Sterrenberg.

Als Jahre später Konrad aber von der Griechin wegen eines anderen jungen Ritters verlassen wurde, versöhnten sich die Brüder wieder. Heinrich starb nach Konrad, doch seine geliebte Hildegard sah er nie mehr wieder. Die Legende sagt, dass an dem Tage, als Hildegard starb, auch für Heinrich die Totenglocken im Kloster Bornhofen läuteten.
Sage hin oder her - auf jeden Fall war im 13. Jahrhundert die jüngere Burg Liebenstein die Vorburg von Burg Sterrenberg, und die beiden Schildmauern dienten der Burg Sterrenberg zum Schutz. Angeblich hat noch nie eine bewaffnete Auseinandersetzung zwischen den Burgen stattgefunden.

Nun geht es weiter mit der Wanderung:
Über eine steile Holztreppe gehen Sie am Gegenhang aufwärts. Nach dem Aufstieg zur Wilhelmshöhe bietet sich vom Jakobstempel aus ein fantastischer Ausblick auf das Tal. Danach verlassen Sie schließlich den Wald und gehen links auf schmalem Pfad zur Filsener Lay. Auf sehr naturbelassenen, engen Wegen spazieren Sie weiter direkt an der Hangkante nach Westen. Immer wieder können Sie schöne Ausblicke über das Rheintal genießen. An der Filsener Hütte beginnt der Abstieg in den Ort Filsen, vorbei an der Marienkapelle.

Einige Abschnitte des Rheinsteigs - wie hier vor Filsen - sind steil und können bei Regenwetter sehr rutschig sein. Daher sind gutes Schuhwerk und gegebenfalls Wanderstöcke unbedingt notwendig.
Sie wandern am Torhaus in Filsen vorbei weiter zum Ziel Richtung Osterspai. Über den Rheinsteig-Zuweg laufen Sie direkt ins Dorf. In Osterspai finden Sie einen Bahnhof mit Bahnverbindungen zurück nach Kestert. Die Wanderung durch die 16-Kilometer lange Strecke dauert insgesamt etwa sechs Stunden.